Verfasst von: achterosten | 12. Mai 2019

Heldinnen des Lebens – Predigt zur Konfirmation

Predigt Konfirmation 2019 (Jubilate, 12.V.2019)

Liebe Konfis,
Ihr kennt das Spiel aus Gahlen. Ihr bildet zwei Gruppen, die eine auf der linken, die andere auf der rechten Seite, ich spiele eine Musik an und wer als erste Sagen kann, woher diese Musik stammt hat gewonnen.

Genau, Avengers, diese Filmreihe aus dem Marveluniversum. Der letzte Teil „Endgame“ bricht gerade alle Rekorde an den Kinokassen. Egal, ob Captain America, Iron Man, Hulk, Spiderman oder all die anderen – es geht um alles, wie immer, die Zukunft der Welt. Da braucht es ganz klar Superhelden. Ich selber bin ja eher DC-Anhänger und vor allem Fan von Batman. Aber auch da ist Rettung nur durch Superhelden möglich.
Ein Held zu sein? Eine, die für das Gute kämpft? Vielleicht ja doch der heimliche Traum von mancher von Euch, von manchem von uns. Vielleicht ja gerade kein Superheld, aber ein Held des Alltags. Eine, die im richtigen Moment das richtige tut, mutig, entschlossen. Vielleicht wie Abdul Aziz, der Mann, der sich dem rechtsradikalen Terroristen von Christchurch im März in den Weg stellte und so wohl noch weitere Tote verhinderte. Oder die Feuerwehrfrauen und -männer von Paris, die sich für den gefährlicheren, aber schonenderen Weg der Brandbekämpfung von Innen entschieden. Und zum Glück nicht auf den Twitterkönig aus den USA gehört haben und so Notre-Dame gerettet haben.
So ein Held zu sein, so im echten Leben vielleicht? Das wärs doch. Wie aber wird man so eine Heldin, so ein Held? Nun ja, Superheld wird man relativ leicht – es empfiehlt sich da die Aufnahme unbekannter chemischer Substanzen, das Verschlucken von radioaktiven Tierchen oder einfach bei der nächsten MRT Untersuchung den Radiologen bitten, mal das Gerät stundenlang auf volle Pulle laufen zu lassen. Heldin, Held des Alltags, des Lebens zu werden – das scheint nicht ganz so einfach, oder etwa doch?
Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hat in einer der letzten Ausgabe dem Thema eine ganze Doppelseite gewidmet und wer „Die Zeit“ kennt weiß, das ist viel Text. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen schon länger der Frage nach, was unterscheidet die Heldinnen, die Helden des Alltages von denen, die nur dabei stehen, starr vor Schrecken oder mit abartiger Sensationslust? Was mich erstaunte, die Antwort ist anscheinend erst einmal relativ einfach: Es sind zwei Dinge, mehr nicht.
Das erste, es ist wenig erstaunlich: Es braucht Eltern oder andere Vorbilder die einer, einem Mitgefühl, Fairness und Verantwortung mitgegeben haben. Und – nicht unwichtig, das Gefühl durch das eigene Handeln etwas bewirken zu können. Also ein Leben als Kind, als Jugendlicher das geprägt war durch Worte wie Toleranz, Eigenständigkeit und Selbstvertrauen. Ich denke, das sind doch auch Dinge die heute Morgen hier die Mehrheit von Ihnen unterschreiben würde. Als Fundament eines gelingenden Start ins Leben, als Fundament des Umganges mit Kindern, der Erziehung. Alles Gut bei diesem Punkt.
Nummer zwei dagegen, da wird es kniffliger. Denn noch etwas scheint viele der Heldinnen und Helden des Lebens, des Alltages auszumachen: Die frühe Erfahrung von Leid, von eigenem oder fremdem. Eigene Krankheit, Verlust eines lieben Menschen oder anderes was ihnen eines vor Augen führte: Das Leben ist zerbrechlich, gefährdet und wir brauchen in diesen Zeiten die anderen, die Menschen, die uns beistehen. Das ist jetzt mal nicht mehr so schön. Das lässt sich ja vielleicht auch noch verstandesmäßig nachvollziehen, vielleicht auch noch aufgrund eigener Erfahrungen im Leben. Spätestens bei der Konsequenz wird einem dann doch aber ein wenig flau im Magen. Denn heißt das nicht im Umkehrschluss – solche Erfahrungen sind notwendig? Es ist vielleicht sogar gut, dass Kinder, Jugendliche diese Erfahrungen machen? Nicht alles dafür zu tun sie davor zu bewahren, alles abzuwehren, sie zu beschützen? Klar damit ist jetzt nicht gemeint, junge Menschen bewusst dem Leid auszusetzen, es geht hier nicht um „Was uns nicht tötet, macht uns härter.“ Denn es geht nicht um Härte, ganz im Gegenteil, diese Heldinnen, Helden des Lebens, waren alles, nur nicht hart. Sondern sie ließen sich anrühren vom Leid, Elend, der Gefahr der anderen.
Aber wie reagieren Sie, wenn Ihr Kind eines Tages zu Ihnen kommt und sagt: „Du, ich mache mein Schulpraktikum im Altenheim, im Krankenhaus, in der Schlafstelle für Obdachlose. Ich mache mit bei der Freiwilligen Feuerwehr.“ Und Sie haben dabei eines vor Augen: Dort wird sie, er auf das Leid des Lebens unweigerlich treffen, in seiner ganzen Härte. Wie reagieren Sie?
Ich weiß es nicht, aber eines weiß ich: Der heutige Tag, die Konfirmation, Euer Ja zu Eurer Taufe, Euer Ja zum christlichen Glaube kann in sich das Vertrauen tragen. Das Vertrauen, sich nicht vor dem Leid der anderen zu verschließen, aber auch das Vertrauen, es mittragen zu können, damit umgehen zu können, daran nicht zu zerbrechen, sondern daran zu wachsen. Das Vertrauen, dass Ihr Konfis in Euch tragt, aber auch das Vertrauen von Ihnen, liebe Eltern, Familienmitgliedern, Freunden: Das Kind hat etwas, was sie, ihn tragen wird in diesen Erfahrungen, ihr, ihm das nötige Maß an Mut und Kraft gibt.
Eure Bekenntnisse, Eure Konfisprüche, die Ihr selber geschrieben, Euch selber aus der Bibel gewählt habt, die sprechen genau davon: Von der Hoffnung, von dem Vertrauen, dass ihr Mut und Kraft im Glauben findet, ihr getragen werdet von dem einen Gott, zu dem Ihr Euch heute bekennt.
Noch etwas zum Schluss: All die, die Heldinnen und Helden des Alltages sind und alle, die sie erleben durften, haben, glaube ich, noch etwas anderes gelernt. Wie wichtig Tage wie heute sind, Tage des Feierns, des sich Gutgehen-Lassens. Weil sie erfahren haben, wie wertvoll das ist: Stunden, ein Tag, ein Augenblick des Lebens, der Freundschaft. Wie schön es ist, dass es Glauben, Gott gibt, das was uns trägt. Wie schön es ist, dass es wahr ist, was Abdul Aziz später in Christchurch sagte: „Ich bin kein Held. Es gehört zu unserer Menschlichkeit, dass wir anderen Menschen in Not helfen.“


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