Verfasst von: achterosten | 22. April 2019

Mahlzeit! – Predigt zu Jesaja 25, 6-9

Predigt Jes 25, 6-9 (Ostmontag 22.IV.2019)

Da gibt es dieses kleine Dorf. Umgeben von Festungen der Besatzungsmacht. Was die liebenswerten Bewohner des kleinen Dorfes nicht weiter stört. Ganz im Gegenteil, sind diese doch gerne auch mal Ziel gepflegter Ausflüge an die frische Luft und zur allgemeinen körperlichen Ertüchtigung. Was die Soldaten dieser Festung aber leider nicht ganz so positiv sehen, denn für sie bedeuten diese Ausflüge vor allem eines: tagelang Schmerzen. Ein idyllisches Dort, direkt am Meer, vom Wald umschlossen. Der auch gleich das Lieblingsessen der Dorfbewohner liefert, vor allem von einem. Dem sieht man es dann aber auch an. Von diesem Dorf starten er und sein kleiner, schnautzbärtiger Freund in alle Himmelsrichtungen der damals bekannten Welt.
Sie werden es erkannt haben, das kleine Dorf und seine beiden Helden – genau Asterix und Obelix und all die anderen Bewohner jenes kleinen namenlosen Dorfes am Rande von Gallien. Bestimmt kennen Sie da die ein oder andere Geschichte der beiden. Aber egal ob Rom, Ägypten oder gar das ferne Indien – das letzte Bild ist immer das Gleiche: Alle sitzen in einer großen Runde zusammen, es gibt Wildschwein ohne Ende. Man freut sich über die glückliche Rückkehr, genießt das Leben, die Freundschaft, das Zusammensein. Gut, das gilt nicht für alle – der Barde des Dorfes schafft es fast nie dabei zu sein. Warum bloß nur? Egal, denn wir haben heute Morgen genau das und nichts anderes als Asterix und all die anderen gemacht, auch wenn es kein Wildschwein gab.
Der Predigttext passt da auch wunderbar: „Und der HERR Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat’s gesagt. Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, daß er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; laßt uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«
Da lässt es Gott aber mal richtig krachen. Nichts mit Streuselkuchen und Tasse Kaffee. Hier wird richtig aufgefahren und nur vom Besten und hoch die Tassen. Das ist so einer der Texte wo ich das mit der protestantischen Leibfeindlichkeit endgültig nicht mehr verstehen kann. Denn was ist denn hier das Hoffnungsbild? Dass wir alle auf Wolken in ewiger Anbetung vor uns hin schweben? Nein, ein ordentliches Festmahl wir uns vor Augen gestellt. Ein Ort des Endes allen Elends, aller Trauer. Ein Ort, wo wir es uns gut gehen lassen.
Das ist doch einmal ein verheißungsvolles Bild einer Zukunft, das mir bedeutend näher ist als irgendwelche vergeistigten Bilder. Das ist doch mal was Handfestes. Und damit sind wir dann leider beim heutigen Tag. Ich sage ganz bewusst leider. Denn das ist doch das große Problem, was wir mit Ostern haben. Für die Jüngerinnen, für die Jünger war das ja anscheinend ganz „handfest“ mit der Begegnung mit dem Auferstandenen. Manchem vielleicht sogar zu „handfest“. Denn sie ist schon irgendwie ekelig die Vorstellung, dass der ungläubige Thomas da so mit seinen Fingern in der Seitenwunde herumprockeln darf. So „handfest“ hätte es vielleicht auch nicht sein müssen. Aber egal wie – diese Menschen haben eine so „handfeste“ Begegnung, dass es in ihre Herzen, in ihren Verstand gepflanzt ist: der Glaube, dass der, der ihnen gegenübersteht wirklich der ist, der so grausam hingerichtet wurde. Mit dem nicht nur ein geliebter Mensch, ein Freund, ein Lehrer starb, sondern auch alle Hoffnung. Auch aller Glaube, dass es wahr sein könnte, dass es kein ferner Gott ist, sondern ein naher, einer bei den Menschen, um es auch hier zu sagen: ein „handfester“ Gott. Keiner den man sich durch drei Mal um die Ecke denken selber konstruieren muss. All das hang dort mit am Kreuz und starb einen grausamen Tod.
Die Begegnung mit dem Auferstandenen ist die Begegnung mit dieser Hoffnung, diesem Glauben und setzt sie ins Recht. „Es ist wahr was ihr in diesem Jesus gesehen habt. Das Gott nicht fern ist, sondern bei den Menschen. Das nicht all das Graue, das Tote, das ewig weiter so die Wahrheit über das Leben ist, sondern die Freiheit, das Leben selber.“ Das ist das was sie sehen, was sich in ihr Herz und Gedächtnis bei diesen Begegnungen an Ostern und in den Tagen danach brennt.

Da sag ich doch mal ganz flapsig: „Schön für sie, die Jungs und Mädels damals. Aber ich?“ Ich meine, da sind wir uns doch alle einig, solche „handfesten“ Begegnungen mit dem Auferstandenen, da sieht es doch seit knapp zweitausend Jahren eher mau aus. Jedenfalls wenn man es mit dem vergleicht, was uns da in den Ostergeschichten erzählt wird. Das ist doch, um es mal weniger flapsig zu sagen, nicht gleich das Elend, aber doch das Problem des christlichen Glaubens: Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass es bei uns nicht so „handfest“ wird, dass wir nicht eine so „handfeste“ Begegnung mit dem Auferstandenen haben. Wir müssen uns wieder mit drei Mal um die Ecke gedacht irgendwie Gott, den Glauben zurecht konstruieren?
Ich glaube wir müssen das gar nicht! Ich nehme den Predigttext mal ganz wortwörtlich: Ich glaube, wir brauchen nicht nach hinten schauen und die Jüngerinnen und Jünger an Ostern beneiden, wir brauchen auch nicht in die Zukunft schauen, wenn er dann wiederkommt, der Auferstandene. Wir brauchen nur ins Jetzt gucken! Dort wo es ganz „handfest“ zugeht, dort wo uns Gutes widerfährt. So wie ein gemeinsames Essen,, so wie wir es gerade hatten. Was ist angesichts des Predigttext so verwegen an dem Gedanken, dass wir das was uns dort verheißen wird schon heute genau in dem Beschriebenen erfahren können? Mir jedenfalls ging und geht es immer wieder so. Wie oft habe ich bei diversen Feiern für einen Augenblick genau das gespürt, genau das geglaubt. An ganz hochbedeutenden Punkten, wie bei unserer Hochzeit. Mal ganz abgesehen von all dem Schönen was sich mit diesem Tag verbindet, gab es da auch diesen Moment. Ich sah all die Menschen, die zusammengekommen waren, um uns, meiner Frau und mir alles Gute zu wünschen, die Hoffnung auf ein Leben in Liebe zu feiern. Da war der Jude, der Moslem, der Christ, die Serbin, die Kroatin, ganz nahe lag ihr Geburtsort oder tausende von Kilometern weg, aber sie waren alle da. Da war es für mich wahr: Der Friede, der uns im Auferstandenen verheißen ist.
Oder auch zum Beispiel die Minikirche im letzten Oktober. Am Ende der Minikirche war ein lange Tafel in der Kirche aufgebaut, alle hatten einen Platz gefunden, die Kinder, die Eltern, Großeltern. Die Tafel war gedeckt, die Kerzen brannten und durch die Reihen ging der Teller mit Brot, der Kelch mit den Weintrauben. Danach blieben wir sitzen, es gab zu Essen. Es war eine ganz besondere Atmosphäre. Da war es für mich wahr: Die Gemeinschaft, die der Auferstandene schenkt.
Dort ist er zu suchen, nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft, der Auferstandene. Im „handfesten“ unseres Lebens. Und dann sind wir gar nicht mehr von den Jüngern entfernt, wie wir vorhin in der Lesung gehört haben. Auch sie erkennen den Auferstandenen erst dann als es „handfest“ zur Sache, sprich zum Essen ging.
So höre ich die Ostergeschichten: Ohne sie könnte ich nicht verstehen, was vor sich geht, in diesen Momenten, wenn es gut ist. Wenn er da ist, der gute und Hoffnung schenkende Moment, wenn die Hülle, die alles verdeckt weggenommen ist: Es ist der Auferstandene, dem ich begegne und damit aller Hoffnung, allem Glauben.
In diesem Sinne: „Guten Appetit“ oder von mir aus auch „Mahlzeit“. Denn beim Essen treffen wir nicht nur liebe Menschen, lassen es uns gut gehen, sondern haben auch gemeinsam Ostern.


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