Verfasst von: achterosten | 10. Oktober 2017

Hätte die Bibel doch die Kartoffel gekannt – Predigt zu Markus 4, 26-29

Predigt zu Mk 4, 26-29 (Erntedank mit Kita, 08.X.2017)

– Mit Kinder Gemüse und Obst auf dem Altar betrachten
– Als letztes die Kartoffel
– Woher kommt sie?
– Wie wächst sie? Erzählen wie ich sie lege, sie verschwunden sind, dann zeigen sich zarte Pflanzen, ich häufle an mit dem Pflug, sie wachsen und sterben ab, nur noch dürre Halme, dann brauch ich die Grabgabel und plötzlich finde ich ganz viele. Stichwort: V E R B O R G E N
– Was kann man aus der Kartoffel machen? Sie kann uns komplett ernähren, mit ihr kann man nicht verhungern.

Liebe Gemeinde,
gerade jetzt im Herbst, an Erntedank steht es uns nochmal ganz besonders vor Augen, dieses unscheinbare Gemüse. Was aber doch so vielfältig ist und mit dem sich so wunderbare Sachen zaubern lassen wie Gratin, Backkartoffeln, Kartoffelklöße, aber auch Pommes und Chips. Sie ist Grundlage vieler wunderbarer Gerichte aus allen Herrenländern: Krumpir i blitva, kleine Kartoffelwürfel mit Mangold auf dem Balkan ist, Jota in Italien, Kartoffeln und Dicke Bohnen mit viel Speck, die jüdischen Reibeplätzchen Laktes oder Himmel und Erde, Apfel- und Kartoffelbrei Überall ist sie in prominenter Rolle dabei und erfreut den Gaumen. Sie sehen, ich gerate richtig ins Schwärmen. Wenn in meinem Gemüsegarten die Ernte ansteht, dann freue ich mich immer ganz besonders auf die Kartoffelernte. Denn bei ihr gibt es immer diesen wunderbaren Moment der Überraschung. Ob Kohl, ob Rote Beete oder Mangold, bei allem anderen kann man schon vorher sehen, wie die Ernte ausfallen wird – bei der Kartoffeln nicht. Ich bin immer ganz begeistert, wenn sie mir schon beim ersten Aufbrechen des Bodens in Fülle goldgelb entgegenleuchten, sich Reihe um Reihe der Korb füllt und am Ende ich, natürlich nicht ohne einen gewissen Stolz, auf 30kg Kartoffeln blicke. Vor allem, wenn ich mich dann erinnere, wie wenig Saatkartoffeln dafür nötig waren. Es ist etwas ganz besonderes sie zu ernten. Sie liegt in der Erde, im Verborgenen, wächst dort, bildet ihre Früchte, bleibt dort bewahrt, bis man sie ans Tageslicht holt. Ihr Reichtum liegt nicht vor Augen, sondern ist im Beet, in der Erde verborgen.
Sie hat mich viel gelehrt, die Kartoffel, nicht nur Geduld und dass Rückenschmerzen der Preis für eine reiche Ernte sind, sondern auch viel über den Glauben. Ich bin mir verdammt sicher: Wenn Jesus die Kartoffel gekannt hätte, viele seiner Geschichten, Gleichnisse, Bilder, sie würden uns heute anders erzählt werden, mit ihr an ganz herausragender Stelle. Denn sie ist vielleicht eines der Bilder, die dem Wesen des Glaubens am nächsten kommen. Das beginnt ja bereits damit, dass wir uns unseren Glauben nicht selber schaffen können, nicht verdienen können. Er wird in uns gelegt, so wie im Frühjahr die Saatkartoffel in die Erde gelegt wird. Das kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise geschehen, vielleicht durch die Geschichten des Glaubens, die wir als Kinder hören. So wie wir sie euch in der Kita erzählen. Dann zeigt sich das Grün, der Glaube wächst, zeigt sich an der Oberfläche. Und auch das kennen ja manche von uns, aus ihren jungen Jahren. Waren bei der Jungschar oder Messdienerin, sind zum Unterricht in die Moschee gegangen. Und der Glaube folgt der Kartoffel. Er wächst immer mehr, kräftig und grün stehen die Pflanzen, mitten im Saft. Es zeigen sich kleine Blüten, gefolgt von kleinen grünen Früchten. Wenn sie sich zeigen, diese scheinbaren Glaubensfrüchte, dann kann es passieren: Frau oder Mann ist der Überzeugung, der Glaube in einem sei stark, nicht zu bezwingen, mein Glaube ist das einzig wahre, mag manche, mag mancher in dieser Zeit denken. Aber es die gefährlichste Zeit des Glaubens. Die grünen Früchte, die so schön aussehen, niemals darf man sie essen. Sie sind giftig. Und auch wer in dieser Zeit seines, ihres Glaubens das was einem vor Augen steht, für die Frucht des Glaubens hält, wird schlimme Vergiftungen erleiden. Das Gift des Fanatismus, des Hasses, der Abscheu all den Menschen gegenüber die nicht das gleiche Glauben wird von Herz und Kopf Besitz ergreifen. Und wenn man den Boden aufgraben würde in dieser Zeit, wäre dort nichts zu finden, nur eine ungestalte, kaum zu erkennende Schale der alten Saatkartoffel. Hier kann noch nichts Nahrhaftes, Schmackhaftes geerntet werden. Es braucht noch Zeit, es braucht die schönen, aber auch die schweren Dinge des Lebens. Das grüne Kraut es welkt, verdorrt, übrig bleiben nur ein paar dürre, trostlose Halme. Wie es auch mit dem Glauben geht, wenn die Zeit des Lebens über ihn hinweg zieht. Mit all dem was wir erleben, was an ihm zehrt, ihn ausdörrt, was oft nicht mehr zurücklässt als ein verdorrtes, leeres Feld des Glaubens. Aber tief in der Erde, im Dunklen sind sie gewachsen, die wahren Früchte. Keine gleicht der anderen, so wie das Beet ist, so wie wir sind, sind sie gewachsen. Manche groß und kräftig, anderen verwinkelt, weil es galt um einen Stein herum zu wachsen. Und wer Kartoffeln schon mal geerntet hat, wird es wissen, mindestens eine in Herzform ist immer dabei. Das sind die wahren Früchte des Glaubens, die in uns schlummern, ruhen, warten, dass sie ans Licht geholt werden, um zu stärken, um uns zu erfreuen. Auch wenn wir meinen, das Beet wäre öd und leer, im Verborgenen ruhen sie. Auf die Suche müssen wir uns halt machen, das bleibt nicht aus. Wir müssen in dem Beet unseres Lebens graben, dort sind sie verborgen. Manchmal liegen sie auch tiefer, aber wenn sie dann vor uns liegen, in der aufgebrochenen Erde, goldgelb und verheißungsvoll, was gibt es Schöneres.
Ja, wenn die biblischen Autoren die Kartoffel schon gekannt hätten, sie hätten uns manches Lied, manche Geschichte von ihr hinterlassen als wunderbares Bild des Geheimnisses des Glaubens, dessen Früchte in uns ruhen. Die darauf warte unseren Hunger nach Leben, nach Hoffnung, nach Mut zu stillen.


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