Verfasst von: achterosten | 30. April 2017

Vom Hirten und Schafen – Predigt zu Johannes 10, 11-16.27-30

Predigt zu Johannes 10, 11-16.27-30 (Quasimodigeniti, 30.IV.2017)

Liebe Gemeinde, den Predigttext für den heutigen Sonntag, wir haben ihn gerade in der Lesung gehört. Es schade ja aber nichts, wenn wir ihn noch einmal hören – vor allem da noch zwei, drei nicht ganz unwichtige Sätze dazu kommen:

„Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -,  denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.“

Liebe Gemeinde, die Gruppe von Euch Konfis, die diesen Gottesdienst vorbereitet hat, hat sich diesen Text mal sehr genau angeschaut. Erstaunlich, was, das so zu Tage trat. Erstaunlich auch deswegen, weil ihr mir eine ganz neue Perspektive auf den Text eröffnet habt.

Als erstes ist da doch die Frage, was sich hinter dem Bild des Hirten überhaupt verbirgt. Wir alle leben nicht mehr in einer durch kleinteilige Landwirtschaft geprägten Welt. Auch wenn dank des Heimatsvereines eine nicht unerhebliche Schar von Schafen mit uns in unserem Stadtteil lebt. Was also verbirgt sich hinter dem Bild des Hirten? Ich habe da mal ein Beispiel aus Eurer Kindheit mitgebracht. Zwei „Hirten“ im Einsatz: Shaun das Schaf , Der Roboterhund.

Liebe Gemeinde, es mag für sie jetzt etwas ungewöhnlich sein, aber der Hirtenhund 1.0 Bitzer und seine technische Verbesserung, sozusagen 2.0 führen uns mitten hinein in die Frage, was wir verstehen, wenn wir die Worte Jesus hören. Hören, wie er das Bild eines Hirten von sich malt. Wen haben wir denn da eher vor Augen. Den Roboterhund oder Bitzer? Wenn wir gute Landwirtinnen und Landwirte wären, fernab aller Verklärung a la „Landlust“, dann müssten wir an den Roboterhund denken. Vorbildlich, bis zu der kleinen technischen Fehlfunktion, die wir mal gerade vernachlässigen. Er beendet das Chaos, hält die Herde ordentlich in Reih und Glied und die Schafe erfüllen endlich ihre Aufgabe: Gras fressen! Damit sie ihren Zweck erfüllen: Milch, Wolle, Fleisch zu liefern und als natürliche Rasenmäher uralte Kulturlandschaften zu erhalten. Der Hofhund Bizer ist mit dieser Aufgabe heillos überfordert, der technische Schäfer 2.0 erfüllt sie vorbildlich. Erinnert diese Vorstellung an die Rede Jesu vom Hirten und seinen Schafen? Wir als die Herde, die in Reih und Glied zu halten ist, brav unser Gras fressend und still unsere Pflicht erfüllend? Vielen unserer Schwestern und Brüdern im Glauben lag und liegt vielleicht diese Vorstellung nicht allzu fern. Und weil es so praktisch war, nahm mancher christliche Würdenträger diese Vorstellung auch gleich für sich in Anspruch. Nicht umsonst kommt die Amtsbezeichnung „Pastor“ vom lateinischen Wort für den Hirten. Aber wollen wir das vor Augen haben, wenn sich Jesus selber als Hirte bezeichnet? Passt das? Gut, als Bizter, den überforderten Hofhund wollen wir uns ihn vielleicht auch nicht vorstellen. Wenn auch der Aspekt der Freundschaft zwischen den Schafen und ihrem „Hirten“ etwas für sich hat. Schäfer und Schaf – sie begegnen sich hier auf Augenhöhe und lösen dann oft gemeinsam so manches Problem auf dem kleinen Hof irgendwo in England.

Aber, und das ist euch Konfis ja aufgefallen in Gahlen – auch Jesus malt von sich nicht das Bild eines Hirten im Sinne landwirtschaftlicher Fachbücher. Er sprengt sozusagen den üblichen Rahmen dieses Bildes um einen neuen Blick und damit neues Leben zu schenken.. Denn ein guter Hirte würde vieles für seine Herde tun, würde sie auch nicht in der Gefahr allein lassen. Wenn es die eigene Herde ist, dann bleibt der Hirte bei ihr, schützt sie vor den Gefahren. Aber sein Leben geben für die Schafe? Da wart ihr euch einig – das geht dann auch für einen guten Hirten zu weit. Und was noch erschwerend hinzukommt: Auch der beste Hirte hat nur das eine Ziel: Schafe, die ihre Funktion erfüllen – Wolle, Milch und Fleisch. Jesus nimmt in seinen Worten aber das Bild des Hirten als Ausgangspunkt, um viel weiter zu gehen, Neues zu eröffnen. Aber was? Das war die Frage, die in unserer Vorbereitungsgruppe dann im Raum stand. Und Euch kam ein Gedanke, eine Idee, die so wichtig, so wertvoll ist, das sie es mehr als verdient hat, heute hier noch einmal laut zu werden, damit wir sie alle mitnehmen können. Uns von Euch einen neuen Blickwinkel auf diesen Text, aber auch auf einen der wichtigsten, wenn auch schwierigsten Grundpfeiler unseres Glaubens öffnen lassen. Ihr habt euch folgendes gefragt: Was ist, wenn Jesus von sich hier so als einem Hirten sprechen kann, der viel mehr für seine Schafe gibt, als jeder anderer Hirte, weil in ihm ja Gott selber auch Schaf, also Mensch war. Wenn also Gott als der dreieinige Gott alles drei in einem ist: Als Gott der Vater der Hirte, als Jesus ein Schaf und damit, sprich ein Mensch, und als Heiliger Geist so eine Art Hütehund für die Herde? Dann könnte es doch stimmen, was Jesus sagt:, Durch ihn selber, Jesus, kennt Gott die Menschen, weil er in Jesus selber einer ist, unter den Menschen ist. Und damit selbst ein Teil der Herde. Mit uns Menschen auf Augenhöhe. Mit uns verbunden. Wie wir Freude und Schmerz erleben, wie wir erleben wie schön das Leben auf der grünen Wiese sein kann. Was es aber auch manchmal ein Elend ist, tagtäglich in der Herde mittrotten zu müssen. In Angst um die Gefahren leben, die uns bedrohen. Wehr- und schutzlos ausgeliefert zu sein, aber im Herzen die tiefe Hoffnung, es möge doch einen geben, einen guten Hirten, der uns schützen möge bis zum letzten. Der mehr in uns sieht als nur die Lieferanten für sein Überleben oder seinen Wohlstand. In Jesus ist Gott selber Teil dieser Herde, selber ein Schaf von vielen. Und weil so der Hirte selber Teil der Herde ist, und das ist das wunderbare Geheimnis unseres Glaubens, ist er so viel mehr als ein Hirte. Dann wird er bis zum letzten gehen, damit die Herde, damit wir leben können.

Und noch etwas anderes: Weil Gott ein Teil von uns und unter uns war, ist Gott für uns Menschen ganz nahe. Weil er einer von uns war sind wir mit ihm auf Augenhöhe. Dann ist der Hirte auch kein fernes Wesen, was irgendwie alles lenkt, aber uns nicht wirklich versteht und wir ihn auch nicht. Dann kennen wir ihn und er uns – so wie es Jesus sagt. Ja, dann ist es doch ein wenig wie bei Shaun und Bitzer, Gott und Mensch begegnen sich in Jesus Christus auf Augenhöhe, es ist so etwas wie Freundschaft möglich, wie Vertrauen, Gemeinschaft und sogar, welch ein spannender Gedanke, das gemeinsame Tun in dieser Welt.

Was habt Ihr da für eine wunderbare Idee gehabt, wie tief seid ihr eingedrungen in das Geheimnis unseres Glaubens.

Liebe Gemeinde, nehmen Sie ihn mit, diesen Gedanken, diese Frage von den Konfis, die mit ihnen zusammen hier in Eppendorf-Goldhamme versuchen den Glauben zu verstehen, prüfen, ob er uns im Leben tragen kann. Ob man ihr vertrauen kann –  der Zusage, der Verheißung Gottes, der gute Hirte zu sein. Der uns nicht fremd ist, weil er einer von uns war, dessen Herde wir sind, weil er uns in Liebe als seine Herde gewählt hat, der uns leiten und bewahren will, indem er als Hütehund uns als seine Gemeinde zusammen hält.

Dieser Gedanke, der uns auch vor Augen führt, als Christinnen und Christen sind wir eigentlich keine Schafherde in Reih und Glied unter der Bewachung eines perfekten Hirten, der uns nur dumm unser Gras fressen lässt. Sondern ein bunter Haufen, behütet von dem liebenden Hirten, er alles für uns gibt.

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: