Verfasst von: achterosten | 29. September 2015

Von Zucchinis und Fischen (Predigt zu Lukas 5, 1-11)

Predigt zu Lk 5, 1-11 (Erntedank, 27.IX.2015)

 

Sie und Ihr kennt dieses Gemüse (Zucchini hochhalten). Dieses Gemüse und ich, wir haben immer schon eine ganz besondere Beziehung, die in diesem Jahr aber noch mal intensiver geworden ist. Unsere Beziehung ist nämlich jedes Jahr von dem gleichen Ritual bestimmt. Im Mai kaufe ich zwei von diesen zarten Pflanzen, zwei Keimblätter und darüber das erste paar Laubblätter. Wie verloren sehen sie auf dem Beet aus. Am nächsten Tag lassen sie sogar ein wenig die Blätter hängen. „Das wird nichts in diesem Jahr“, ist dann mein Standardsatz. Die werden es nicht schaffen, die beiden. Es ist zu nass, zu kalt, es ist zu heiß, zu trocken. Es fehlt an Insekten zur Bestäubung. Und wenn ich erst an die Monster des Gartens, die unersättlichen Killer, die Schnecken denke, vergiss es, das wird nichts. Ein paar Tage später aber zeigen sich zwei neue Blätter, na vielleicht klappt es ja doch. So geht es den ganzen Mai hindurch, den Juni, zeigt sich dann die erste Frucht, verfault die, weil sie nicht befruchtet wurde, ist es wieder da, das Mantra: „Vergiss es, das wird nichts!“ Obwohl, da zeigt sich schon ein zweite, vielleicht wird  die ja was? Und in diesem Jahr hier in Eppendorf musste ich sie sogar in eine Mörtelwanne pflanzen. Wie bekloppt ist das denn, die pure Verzweiflung angesichts fehlender Beete. Das wird erst recht nichts. Vergiss es einfach. Aber mit ein bisschen Dünger, ordentlich gießen? Wer weiß?

Und jetzt Ende September wo die Gartensaison ausläuft? Sie und ihr ahnt es: In welcher Form haben wir sie nicht gegessen. Als Salat, als Suppe, als Gemüseauflauf, in Nudelsoßen, als Füllung von Pita, eine Spezialität vom Balkan, und so weiter und so fort. Mein Bedarf an kulinarischen Genüsse mit Zucchini ist für die nächsten 10 Monate gedeckt, aber mal reichlich. Eine reiche Ernte, trotz Mörtelkiste, Schnecken und klimatischen Katastrophen wie dreitätigem Dauerregen im August. Aber eines garantiere ich ihnen und euch: Im nächsten Mai stehe ich wieder vor diesen zwei verlorenen Pflanzen und sag mir, das wird nichts: Es ist zu kalt, es ist zu trocken und erst die Schnecken, vergiss es. Obwohl im letzten Jahr, so schlecht war es doch auch nicht. Und so geht sie fröhlich weiter, meine besondere Beziehung zu diesem Gemüse in ihrem Schwanken zwischen Vertrauen und Skepsis.

Was ich in dieser Beziehung erlebe, was Petrus auf dem Schiff erlebt, es ist eine urmenschliche Erfahrung: Das Schwanken zwischen Skepsis und Vertrauen. Und wenn es ein Happy End ist, dann ist es wie bei mir und der Zucchini, wie bei Petrus und den Fischen. Wie heute wenn wir auf die reichen Gaben hier im Altarraum blicken. Wir werden überreich beschenkt, mehr als ich Rezepte für Zucchini habe, mehr als Petrus Netze hat. Welch ein Überfluss! Und wie eindrucksvoll, wie stark bewegt das unser Herz, wenn im Vorfeld eher die Skepsis überwogen hat. Im Fall mit der Zucchini ist die, wenn ich mal ehrlich bin, auch nicht so ganz angemessen. Das Zeug wächst meistens wie Unkraut, wenn die Bedingungen nur halbwegs stimmen. Bei Petrus aber, da ist die Skepsis schon weitaus berechtigter.

Und wie sehr muss das erst für unsere Haltung gegenüber Gott gelten! Denn wenn wir ehrlich sind, hier ist die Skepsis mehr als angebracht. Was soll denn für Gott sprechen, wenn wir uns so umschauen? Da erscheint das Fischen am Tage doch als harmlose Angelegenheit, die man mal ruhig als erfahrener Fischer wie Petrus angehen kann. Als Mensch aber von sich aus auf Gott vertrauen, dafür spricht nichts. Ich als Mensch kann Gott nicht vertrauen, es ist mir schier nicht möglich. Das muss doch auch mal so klar gesagt werden. Von mir aus Gott vertrauen, nein, das geht nicht. Wir Menschen können das nicht von uns aus!

Vertrauen auf Gott – das würde nur gehen, wenn er von seiner Seite aus unsere Skepsis überwinden würde. Wenn er in uns Vertrauen in ihn schenken würde. Dann ja, dann könnte dieses Vertrauen wachsen. Wenn Gott in uns den Samen legen würde. Genau in diesem Punkt fällt es, um im Bilde zu bleiben, Petrus wie Schuppen von den Augen als er die überreiche Ernte des Sees in den Netzen sieht. Von Gottes Seite aus wird das Vertrauen in ihn gesät. Wir Menschen können das nicht, aber er kann es! Und wie groß ist der Überfluss! Wie reicht wird da geschenkt! Wie voll sind da die Netze, wie groß die Ernte! Und Gott muss so reich schenken, den wir groß ist unsere, berechtigte Skepsis ihm gegenüber. Und er tut es. Er schenkt so reich, dass in uns ihm gegenüber nicht die Skepsis alleine herrscht, sondern dass es ihm gegenüber auch zu diesem Schwanken zwischen Skepsis und Vertrauen kommt. Allein, auflösen wird sich dieses Schwanken in uns nie, so wie es sich auch bei Petrus nie aufgelöst hat. Aber das ist eine andere Geschichte, die wir Karfreitag hören.

Heute wollen erst einmal feiern, dass Gott uns reich beschenkt. Mit den Gaben die uns satt machen, uns stärken, uns Freude schenken, die in uns den Vorrat auffüllen, aus dem sich unser Vertrauen ihm gegenüber nähren und wachsen kann, trotz aller Skepsis. Denn im Gegensatz zu den Zucchinis kann dieser Vorrat nie groß genug sein. Und wie bei jedem guten Vorrat erhält auch dieser ein Etikett als Erinnerung, was darinnen köstliches zu finden ist: Der Fisch, den die Kinder der Kita Himmelszelt verteilt haben.


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