Verfasst von: achterosten | 29. April 2012

Ein langweiliger Kampf – Predigt zu Gen 1,1 – 2,4a (Jubilate, 29.04.2012)


Liebe Gemeinde,

vielleicht ist es nicht ganz so wie sie es jetzt erwarten, aber ich muss es unumwunden zugeben: Ich bin zwar kein fanatischer Fan, aber ich schaue mir gerne Boxkämpfe an, zumindest im Fernsehen. Klar, das ganze drum herum, den 180sten Kommentar von Henry Maske, das Posieren oder der neueste Hit, die Zeitverzögerung, das kann man sich in meinen Augen geflissentlich sparen, aber den Kampf an sich, doch, den schau ich mir gerne an. Wenn es denn ein guter Kampf ist, heißt nicht hirnloses Draufdreschen oder stundenlanges Rumtänzeln, ohne das was passiert – wenn ich Ballet sehen will, gehe ich ins Theater.

Auch klar, der Boxsport gilt auch als verrucht, aber, da ist die Frage, wie sehr das mittlerweile ein Mythos oder gut gepflegtes Image ist. Spätestens nachdem ich mal aus Interesse an einem Boxtraining in jungen Jahren teilgenommen habe, ist mein Respekt vor Boxerinnen und Boxern enorm gestiegen. Bevor ich überhaupt einen Boxsack aus der Nähe zu sehen bekam, hat mir schon das Konditionstraining den größten Muskelkater aller Zeiten beschert. Und ich habe auch schnell gemerkt, dass Boxen wenig mit sinn- und hirnlosem Draufdreschen zu tun hat, sondern viel mit Willen, Selbst- und Körperbeherrschung. Ganz zu schweigen von dem Größten aller Zeiten – Muhammad Ali…

 

Ich habe da heute Morgen auch einen Boxkampf zu präsentieren. Schauen wir zunächst in die Ecke des Herausforderers: Aus dem Stall Charles Darwin, mit der Größe von knapp 150 Jahren und dem Gewicht von „Entstehung der Arten“, der Kämpfer für die Evolutionstheorie: Der Evolutionist.

Auf der gegenüberliegenden Seite: Aus dem Stall Fromm, mit der Größe von etwas über 200 Jahren und dem Gewicht der Bibel, der Kämpfer für Gott-schuf-die-Welt-in-sechs-Tagen: Der Kreationist.

 

Liebe Gemeinde, ich muss sagen, dieser Kampf gehört eher zu den schlechteren. Weder ist er besonders von Taktik geprägt, noch ist er eigentlich wirklich spannend. Außerdem, ein Kampf der jetzt schon seit gut 150 Jahren tobt, führt dann doch zu gewissen Ermüdungserscheinungen. Um was geht es überhaupt in diesem Kampf: Auf der Seite der sog. Kreationisten: Die Behauptung, dass die Bibel sozusagen eine eins zu eins Übertragung der Wirklichkeit ist. Die Autoren der Bibel live und in Farbe dabei waren und es somit unumstößliche Wahrheit ist, dass die Welt in genau sechs Tagen so geschaffen wurde, wie es in der Bibel steht.

Auf der anderen Seite die Vertreter der Evolutionstheorie: Die Welt, das Leben ist entstanden in einem Prozess durch Jahrmillionen, in dem sich das Leben immer wieder verändert und neue Formen angenommen hat. Auch der Mensch ist nichts anderes, als ein Teil dieses Prozesses und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Weiterentwicklung des Affen. Untermauert wird dies durch wissenschaftliche Beobachtungen. Nicht von allen, aber doch von einigen Vertretern dieser Position wird der Schluss gezogen: Wenn dem so ist, dann kann es auch keinen Gott geben.

Und so kämpfen sie gegeneinander, diese beiden. Oft nicht gerade fair, sehr verbissen. In den USA wird dieser Kampf vielleicht härter und offensiver geführt, aber auch in Deutschland ist zu beobachten, dass er in den letzten Jahren wieder vermehrt hochkocht.

 

Liebe Gemeinde,

ich mach da keinen Hehl daraus, auch wenn mich der Kampf eher langweilt, in welcher Ecke ich mich vertreten fühle: Bei den Evolutionisten, also bei denen, die davon ausgehen, dass das Leben, der Mensch nicht im Schnellverfahren gebastelt wurden, sondern Stufen einer langen und langsamen Entwicklung sind. Die Vorstellung, dass Gott wie ein Kind mit Legosteinen diese Welt zusammengebaut hat, erscheint mir wenig einleuchtend. Zu sehr überzeugen mich die wissenschaftlichen Erkenntnisse, soweit ich sie denn nachvollziehen kann. Dazu kommt für mich die grundlegende Überzeugung, dass die Bibel nicht ein Art Livereportage sein will, die der Nachwelt in Manier einer Sportreportage erzählt, wie es wirklich gewesen ist.

 

Aber eigentlich, und das ist das entscheidende, ist dieser Kampf so sinnlos wir irgendwas. Es wird nie einen Sieger geben, die Kämpfer sind so miteinander verkrallt, dass sie gar nicht gemerkt haben, das kaum noch Zuschauer da sind, um sich das Elend anzuschauen. Und auch Menschen, die sich wie ich, als Christen verstehen, können sich in aller Seelenruhe von den Zuschauerrängen bei diesem Kampf verabschieden. Denn er geht an der Hauptsache meilenweit vorbei. Die Hauptsache, das Thema der Erzählung von der Schöpfung der Welt ganz am Anfang der Bibel ist nicht, wie die Welt und das Leben geschafften wurde, sondern warum! Nicht das Wie, wie alles entstanden ist, sondern die Frage nach dem Grund, Warum alles entstanden ist, darum geht es. Deshalb kann die Bibel auch ganz gut damit leben, dass es in ihr einige ganz unterschiedliche Vorstellungen gibt, wie das Leben entstanden ist.

Der Anspruch der Bibel ist nicht, zu erklären, wie genau denn nun die Welt entstanden ist, in Form einer neuzeitlichen wissenschaftlichen Doktorarbeit. Sondern der Frage nachzugehen, die viel spannender, viel brennender ist: Warum gibt es uns überhaupt? Warum gibt es das Leben in all seinen unzählbaren Formen? An dieser Frage ist die Schöpfungsgeschichte interessiert. Und wir gerne würde man dies auch unseren Boxern in ihrem Ring zurufen: Macht euch doch mal darüber einen Kopf: Warum gibt es uns? Warum gibt es all das Leben?

 

Der Schöpfungsgeschichte geht es genau darum, genau um diese Frage – und sie versucht auch gleich in ihrem allerersten Satz ihre Antwort: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Das ist die Antwort der Bibel! Das ist die Antwort der Bibel auf die Frage Warum: Weil Gott  es so wollte! Weil Gott dieses Welt, das Leben, uns wollte! Und die Bibel versucht sich auch in einer Antwort auf die Frage, warum Gott das wollte: Weil er Liebe ist.

Schon mal davon gehört, dass die Liebe alleine bleiben kann? Die Liebe will ein Gegenüber haben, dem sie sich mitteilen kann. Und jetzt bitte nicht an irgendwelchen rosa-romantisch Kram denken, nur weil das Wort Liebe gefallen ist. Gott ist Liebe, da geht es eher um Leidenschaft, als um Romantik. Gott wollte diese Welt, uns um unserer selbst willen, um seiner Liebe zu uns willen. Das ist doch mal eine viel spannendere Aussage, als dieser elende Kampf, ob jetzt der Mensch vom Affen abstammt oder vom lieben Gott als Legomännchen und –frauchen in eine Bausteinwelt gesetzt wurde.

Dieser Kampf ist für mich schon lange entschieden – also verlassen sie ruhig die Zuschauerränge. Ich lade sie auf einen ganz anderen Schauplatz ein. Der unter der Überschrift: Warum? Warum gibt es uns, das Leben?

 

Mir gefällt die Antwort der Bibel und ihre Art, diese Antwort immer wieder in neuen Geschichten, neuen Texten zu erzählen: Wir und das Leben um uns her ist von Gott gewollt. Von ihm gewollt wegen seiner leidenschaftlichen Liebe, die für uns brennt. Von ihm gewollt als seine Schöpfung, seine Schöpfung zu der auch Muhammad Ali gehört, der in ihr sowieso der Beste und Schönste war und ist.


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