Verfasst von: achterosten | 27. März 2011

The Man in Black – Predigt zu 1. Petrus 1, 13-21

(Gottesdienst in der  JVA ,03.III.2011, Okuli)

 

Liebe Gemeinde,

es ist eine Tatsache, wir Menschen haben so einen Hang Richtung Vorbilder. In jungen Jahren vielleicht mehr, als später. So Fußballspielen wie Kalle Rummenigge, so ein Sixpack wie Arnold Schwarzenegger, so singen und tanzen können wie Michael Jackson, so ein Frauenheld sein wie Han Solo, um nur ein paar Vorbilder aus meiner Kindheit zu nennen. Anscheinend brauchen wir so etwas sie Vorbilder, Menschen an denen wir uns orientieren. Denen wir mehr oder weniger versuchen nachzueifern. Zugestanden, die Grenze zwischen Orientierung und blinder Schwärmerei ist da manchmal auch nicht ganz so klar, es wird natürlich auch ordentlich verklärt. Und natürlich stimmen das Vorbild in meinem Kopf und die Wirklichkeit auch nicht so ganz überein. Klar, singen und tanzen wie Michael Jackson, aber auch gleich einem Schöhnheitschirugen ein Leben in Saus und Braus ermöglichen? Wohl eher nicht. Und so Probleme haben einen verständlichen Satz mit Hand und Fuß hinzubekommen wie Kalle Rummenigge will man ja auch nicht wirklich. Nichtsdestotrotz, wir suchen uns Vorbilder. Meistens auch gar nicht die großen Stars, sondern Menschen aus unseren engeren Umfeld. So ein undurchdringliches Pokerface wie mein Ersatzgroßvater beim Skat immer hatte, das wär doch auch was.

Aber warum brauchen wir Vorbilder? Sind wir nicht in der Lage, alles selber zu entscheiden? Vorbilder eher was für Weicheier, die nicht Manns genug sind, selber klar zukommen? Das stimmt nur zum Teil. Klar, sich vollständig abhängig zu machen von anderen Menschen, ihnen versuchen in allem nachzueifern, so sein zu wollen wie sie, das ist nicht gesund. Aber sich an anderen Menschen orientieren in schweren Zeiten, bei wichtigen Entscheidungen. Zu schauen, wie hat der oder die das gemacht, wie hat sie gelebt, wie ist sie mit solchen Dingen umgegangen, dass kann einem helfen, selber seine Entscheidungen zu treffen, selber seinen Weg zu gehen, wohin der dann auch immer führen mag.

Wir brauchen Vorbilder, und sie zu haben gehört zu uns Menschen. So ist es auch in allen Religionen und auch im christlichen Glauben. Es gibt Frauen und Männer, meistens immer schon ein bisschen länger tot, die für viele Christen Vorbilder im Glauben sind – die sogenannten Heiligen. Sie gab es gleich von Beginn des Christentums an, sozusagen direkt, nachdem der letzten Jünger Jesu gestorben war. Menschen, die dank der Stärke ihres Glaubens allen Widerständen trotzen. Gerade in den Zeiten in denen es den ersten Christen das ein oder andere Mal an den Kragen ging. Bedroht an Leib und Leben durch die römische Macht. Sie hielten tapfer und standhaft im Glauben Folter und Todesqualen aus, jedenfalls wurde es so berichtet. Das waren für viele Christen leuchtende Vorbilder.

Die Geschichten von den Heiligen sollten den Menschen zeigen, wie sich ein wahrer Christ in einer solchen Situation verhalten soll – jedenfalls nach Meinung der Autoren. Dabei wurden diese Geschichten immer mehr ausgeschmückt. So mancher Splatterfilm unserer Zeit erscheint da eher wie ein harmloses Kindermärchen wenn man in den Heiligenlegenden liest, wie alle zu Tode gekommen sein sollen. Und die Heiligen werden auch immer reiner. Keiner von ihnen macht einen Fehler, erlaubt sich eine Schwäche, hat irgendein Problem. Und so werden sie schließlich zu Superhelden des Glaubens, rein wie Ariel, aber auch jedem Menschlichen entrückt.

Gut, die Zahl der Christen, die die „alten“ Heiligen wirklich als Vorbild im Glauben erleben, nimmt wahrscheinlich eher ab, aber dafür treten andere Heilige auf die Bildfläche. Christen aus unseren Zeiten, aber auch sie erscheinen oft, zumindest nach außen ohne jeden Makel.. Moralisch bis zum Anschlag, teilweise kaum zu ertragen, so gut sind sie, so frei ist ihr Glaube von jedem Zweifel.

Vorbilder für den Glauben? – Tut mir leid, für mich leider nicht wirklich. Zu weit weg sind sie von mir in meinem Alltag, zu weit weg von meinen Schwächen, meinen Fehlern. Ich würde ja gerne, natürlich strenge ich mich ja auch an, aber letztlich bin ich dann doch ein normaler Mensch mit all seinen Macken. Ich persönlich habe daher ein ganz anderes Vorbild für mein Leben im Glauben, mein ganz persönlicher, etwas schräger Heiliger: The Man in Black – Johnny Cash.

 

Johnny Cash, dieser völlig ungewöhnliche Country Sänger, der am Ende seines Lebens durch die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Rick Rubin noch Alben geschaffen hat, die an Intensität kaum zu überbieten sind und ein Publikum weit jenseits aller Cowboyhüte und karierten Blusen begeistert hat. Und gerade hier auf diesen letzten Alben wird deutlich, warum er ein Vorbild des Glaubens sein kann. Singt er doch Songs wie „Hurts“, im Original von Nine Inch Nails, der Rückblick eines Mannes in ein Leben voller Drogen, neben einem zutiefst christlich frommen Lied wie „When the Man comes around“. Und man hört es an jedem Ton, der, der dort singt, könnte das wirklich alles erlebt haben. Das Elend einer Tablettensucht, die er nie wirklich besiegte in seinem Leben. Am Anfang waren es nur Aufputscher, dann alles mögliche und am Ende Schmerzmittel, um die Nachwirkungen der Sucht zu ertragen. Der von ganz unten kam, als Kind armer Landarbeiter im nirgendwo der endlosen Baumwollfelder Amerikas. Der weiß, was es heißt, jeden Tag bis zur Erschöpfung zu malochen und doch kein Bein auf die Erde zu kriegen. Der den grausamen Unfalltod seines über alles geliebten Bruders erlebt hat.

Der aber auch die tiefe Hoffnung des Glaubens kannte. Die Hoffnung, die Kraft und Halt gibt, trotz aller eigenen Schwäche, dem eigenen Versagen. Cash wollte immer mit seinem Leben diesem Glauben entsprechen und es gelang ihm oft nicht. Trotzdem war es, so klingt es aus seinen Songs heraus, aus seiner Stimme, dieser Glaube, der ihm Kraft gab. Auch um sich für die einzusetzen, die am Rande der Gesellschaft stehen, mit denen keiner was zu tun haben will. Nicht mit großen Worten, aber auf eine Art, das die, die er meint, es ihm abnahmen, wie man bei den Konzerten in den berühmt-berüchtigten Knästen St. Quentin und Folsom hören kann. Die, von denen er sang, der „Man in Black“.

Ein Mann von tiefem Glauben und tiefer Zerrissenheit. Als U2 mal beim ihm zum Abendessen eingeladen war, sprach er das Tischgebet, schaute nach dem Amen auf und sagte: „Wisst ihr, ich vermiss ganz schön die Drogen.“

Er war kein reiner Heiliger, sondern ein ganz normaler Mensch. Er macht nicht den Eindruck, dass er sich wegen seines Glaubens für einen besseren Menschen hielt, ganz im Gegenteil. Gerade das macht ihn für mich zur Vorbild des Glaubens. Ja, ein wenig zu meinem persönlichen Heiligen, wenn man das als Evangelischer überhaupt so sagen kann.

Aber er steht nicht am Ende, am Ende steht der, von dem er in vielen seiner Songs sang. Auf den er wie mit einem übergroßen Zeigefinger hinweist. Der von dem er Erlösung erhoffte. Nicht von den Drogen, nicht von seinem Erfolg, sondern von ihm: Jesus Christus, Gottes Sohn, Grund aller Hoffnung.

(Vielen Dank nochmals an Lars für die Unterstützung!!!)


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